Vermutung der Richtigkeit von Zeit- und Ortsangaben im Testament

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Ein Erblasser hinterließ drei verschiedene Testamente, in denen je verschiedene Personen als Alleinerben eingesetzt wurden. Im jüngsten Testament hatte der Erblasser seine wesentlich jüngere Ehefrau zur Alleinerbin eingesetzt. In diesem Testament wurde mit einem anderen Kugelschreiber als dem, mit dem der Erblasser das Testament geschrieben hatte, nachträglich Zeit und Ort eingefügt. Die Echtheit des Testaments wurde von einem zuvor in einem Testament bedachten Erben bestritten.
Das OLG München stellte in diesem Beschluss fest, dass es eine Vermutung für die Richtigkeit von Zeit- und Ortsangaben in einem Testament gibt. Diese Vermutung wird auch nicht dadurch widerlegt, dass die Orts- und Zeitangaben ersichtlich nach dem verfassten Testamentstextes vom Erblasser eingefügt wurden. Für den Zeitpunkt der Testamentserrichtung ist nämlich nicht erheblich, ob das Errichtungsdatum vor oder nach dem Testamentstext angebracht ist.
Für die Praxis bedeutet dies, dass möglichst zeitnah zur Testamentserrichtung Schriftproben des Erblassers gesichert werden sollten. Dies erleichtert eine spätere Beweisführung bei Schriftsachverständigengutachten.

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